Rheinisches Breitensportfestival
Reiten macht Spaß!
Beim zweiten Rheinischen Breitensportfestival war die Freude am Pferd überall zu spüren
„Lächeln – Reiten macht Spaß!“ – dieser im traditionellen Turniersport häufig zitierten Aufforderung bedurfte es beim zweiten Rheinischen Breitensportfestival im Pferdesportzentrum Rheinland auf Gut Langfort heute nicht. Denn hier strahlten die Teilnehmer nur so um die Wette – und zwar ganz ohne Appell von außen. Auch den Zuschauern bereitete die gezeigte Vielfalt des Pferdesports sichtlich Freude. So avancierte die zweite Auflage des Events auch trotz teilweise miesen Wetters zu einem rundum gelungenen Fest.
„Bei der Premiere des Rheinischen Breitensportfestivals vor zwei Jahren waren wir auch schon dabei“, berichtet Iris Friedrichs und klopft ihrem Norwegerwallach Benno zärtlich den Hals. So eben hat das Paar die gerittene Gelassenheitsprüfung mit der Wertung „sehr gut“ beendet. „Den Benno kann nichts schocken, der ist die Ruhe selbst“, verrät die Besitzerin. Wie sie sich zuhause auf den Start vorbereitet hat? „Ehrlich gesagt gar nicht“, lacht die Reiterin. „Ist mit Benno aber auch nicht nötig!“ Nicht mal mit dem Ohr gezuckt hat das 19-jährige Pferd, als es mit seiner Reiterin an den Mülleimern und Flatterbändern vorbei marschiert ist, auch vor den aufsteigenden, grün-weißen Luftballons hatte der Vierbeiner keine Angst. Über die am Boden liegende Plastikplane schritt Benno genauso unerschrocken wie er die kleine Metallbrücke überwand – einfach alle gestellten Aufgaben absolvierte er äußerst cool. „Wir sind schon seit 16 Jahren ein Paar, da wächst man einfach zusammen“,
erklärt Iris Friedrichs das Vertrauensverhältnis zu ihrem Pferd. Für Benno und sie stehen heute noch mehrere andere Wettbewerbe auf dem Programm: „Wir machen noch beim Westerntrail mit und beim Ride und Push-Wettbewerb, heute Morgen haben wir außerdem schon die Walk und Trot-Prüfung mitgemacht. Für Benno ist das kein anstrengendes Programm, das macht der mit links.“
Auf dem Nebenplatz, dem kleinen Gelände am Wall, reitet gerade die kleine Lucy Buß beim Führzügelwettbewerb „über Stock und Stein“ ein. Lucy reitet auf Lucy, einem kleinen Shetty. Dass das Pony denselben Namen hat wie die Reiterin, ist allerdings Zufall. „Lucy und Lucy haben sich vor zwei Jahren kennen gelernt, da hießen sie beide schon so“, erzählt Lucys Mutter lachend. Pony Lucy gehört Nina Hachtel, die Reiterin und Pony am Strick durch die Prüfung geleitet. Ein Windrad muss von einem Ständer in den nächsten bugsiert werden, ein Wall hoch- und runtergeritten, ein Hindernis umrundet und eine kleine Trabstrecke zurückgelegt werden. Kein Problem für Reiterin, Pony und Führerin, die einheitlich im Western-Look auftreten. Auch das geforderte Auf- und Absteigen klappt reibungslos. Mit einem Riesen-Applaus verabschiedet sich das Trio aus der Prüfung. Nun wird auf das Ergebnis gewartet. Lucy und Nina sind mit ihrem Auftritt und Pony Lucy sehr zufrieden. „Die Lucy hat das super gemacht“, strahlt Lucy. „Die ist ein ganz tolles Pony!“ Auf die Frage, wie lange sie denn schon reite, antwortet das Mädchen prompt: „Schon ganz lange!“ Ungefähr zwei Jahre, ergänzt Nina Hachtel. Für die fünfjährige Lucy ist das fast ihr halbes Leben. Auch Pony Lucy ist fünf Jahre alt und normalerweise als Kutschpony im Einsatz. „Für mich ist sie zum reiten ja zu klein“, lacht die Besitzerin. Für Lucy, Lucy und Nina war das gerade der dritte Start bei einem Führzügelwettbewerb – zum ersten Mal ging es dabei allerdings „über Stock und Stein“. Doch nicht nur dem Trio selbst und den Zuschauern hat der Auftritt gefallen, auch die Richter zeigen sich begeistert: Bei der Siegerehrung wenig später bekommen Pony, Reiterin und Führerin die goldene Schleife für den Sieg verliehen.
Wer bringt am schnellsten die Beute ins Ziel, lautet derweil die Frage beim Wikingerrennen in der Reithalle. Auf dem großen Hauptplatz laufen zeitgleich außerdem ein Westerntrail und eine Dressurkür für Paare. Überall ist was los, man sieht die verschiedensten Pferderassen und die unterschiedlichsten Outfits von Zwei- und Vierbeinern. 36 Wettbewerbe laufen über den Tag verteilt auf vier, teilweise sogar fünf Schauplätzen. „Einige Zuschauer waren etwas traurig, das überall zugleich was los war, weil sie am liebsten alles mitbekommen hätten“, berichtet Hermann Bühler, der Breitensportbeauftragte vom Pferdesportverband Rheinland. Bei ihm laufen an diesem Tag alle Fäden zusammen – auch wenn das Event an sich von insgesamt drei Verbänden veranstaltet wird. Neben dem Pferdesportverband, der die „klassische“ englische Reitweise vertritt, ist die rheinische Delegation der Westernreiter von der EWU (Ersten Western Union) ebenso mit von der Partie wie der Islandpferde-Reiter- und Züchterverband aus dem Rheinland. Alle drei Organisationen richten beim Breitensportfestival spezielle Wettbewerbe für die eigenen Mitglieder, aber auch reitweisenübergreifende Prüfungen für alle Pferdefreunde aus. So treten im Fahnenrennen zum Beispiel Isländer gegen Warmblüter und Westernpferde an, ebenso im Stafettenwettbewerb und in der Gelassenheitsprüfung. „Eine bunte Mischung eben, da ist für jeden etwas dabei“, freut sich Turnierleiter Bühler. Und auch organisatorisch hat alles bestens geklappt: „Wir hatten von allen drei Verbänden ein tolles Helferteam hier, das lief alles rund. Nur der Punkt, auf den wir keinerlei Einfluss hatten, war verbesserungswürdig: das Wetter!“
„Eine prima Veranstaltung“, stimmt auch PSVR-Geschäftsführer Rolf-Peter Fuß zu. „In diesem Jahr die größte breitensportliche Veranstaltung im Rheinland, denn die Equitana Open Air findet ja erst nächstes Jahr wieder statt.“ Auf die nächste Auflage des Rheinischen Breitensportfestivals müssen die hiesigen Freizeitreiter allerdings wieder zwei Jahre warten, denn im kommenden Jahr steht im Pferdesportzentrum Rheinland der Tag der offenen Tür auf dem Programm, der immer im Wechsel mit dem Breitensportfestival veranstaltet wird. Doch Vorfreude ist ja bekanntlich die größte Freude!





